Bewegungsapparat

Eine gesunde Entwicklung der Gelenke ist für jeden Hund maßgeblich für seine Lebensqualität und Bewegungsfreude. Da leider auch Retriever, wie alle großwüchsigen Hunderassen, von Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED) betroffen sein können, ist dem DRC die Bekämpfung dieser Fehlentwicklung der Gelenke ein besonderes Anliegen.

Aus diesem Grund sind für alle vom DRC betreuten Retrieverrassen in deren jeweiliger Zuchtordnung Selektionskriterien enthalten, die dazu dienen, das Risiko für die Entstehung einer HD oder ED zu minimieren und Hunde von der Verwendung zur Zucht auszuschließen, die potentiell eine genetische Disposition mitbringen.

 

Seitdem der DRC e.V. als Zuchtverein besteht, werden Daten über den Grad der Ausprägung von HD und ED für alle im DRC gezüchteten und alle im DRC zur Zucht verwendeten Hunde gesammelt und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Auswertungen fließen in die Zuchtplanung mit ein. Dadurch und durch immer fundiertere wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entstehung dieser Gelenksfehlbildung, sowie durch eine fortschreitende Sensibilisierung der Hundehalter konnte die Zahl der betroffenen Hunde über die Jahrzehnte deutlich reduziert werden.

 

Auch für die Zukunft ist jedoch eine gute Datenlage für die Beobachtung der weiteren Entwicklung auf diesem Gebiet zur Gesunderhaltung unserer Retriever wichtig. Deshalb möchte der DRC möglichst viele Retrieverbesitzer motivieren, ihren Hund nach Vollendung des ersten Lebensjahres auf HD und ED röntgen zu lassen und die Röntgenbilder zur Weiterleitung an den Gutachter an die DRC-Geschäftsstelle einzusenden.

 

Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über die Themen HD und ED und darüber, dass auch der Hundebesitzer durch eine vernünftige Ernährung und ein moderates Maß an Bewegung im Welpen- und Junghundealter Einfluss auf die gesunde Entwicklung der Gelenke seines Hundes nehmen kann.

Hüftgelenksdysplasie (HD)

FEHLENTWICKLUNG DES HÜFTGELENKES – EIN WESENTLICHES SELEKTIONSMERKMAL FÜR DIE ZUCHT

Die Fehlentwicklung des Hüftgelenks, die sich darin äußert, dass die Gelenkspfanne und der Oberschenkelkopf nicht harmonisch aufeinander abgestimmt sind, was im Laufe des Hundelebens zu verstärkter Abnutzung und Arthrosebildung führen kann, wird als Hüftgelenksdysplasie (HD) bezeichnet.

Die Symptome einer HD entstehen meist innerhalb des ersten Lebensjahres, wobei häufig beide Hüftgelenke betroffen sind. Neben der Ernährung und einem ausgewogenen Maß an Bewegung hat auch die genetische Disposition des Hundes einen Einfluss auf die Entwicklung der Hüftgelenke. Welche Gene hier beteiligt sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Es ist aber nachgewiesen, dass durch eine zu üppige und zu gehaltvolle Fütterung, die zu schnellem Wachstum und damit zu einer schnellen Gewichtszunahme des Hundes führt, eine Fehlentwicklung der Hüftgelenke gefördert wird. Ebenso ist bei der Ernährung des Junghundes ein zu hoher Kalziumgehalt kontraproduktiv. Die Verwendung von modernen Fertigfutterprodukten macht eine zusätzliche Gabe von Kalziumpräparaten überflüssig, da hier ausreichend Kalzium in einem ausgewogenen Verhältnis zu Phosphor enthalten ist.

Ein moderates Maß an Bewegung ist für den Welpen und den jungen Retriever ebenso wichtig, wie eine ausgewogene nicht zu kalorienreiche Ernährung. Eine körperliche Überbeanspruchung durch lange und zu häufige Spaziergänge und übertrieben häufiges und zu körperbeanspruchendes Toben mit andren Hunden sollte im Interesse einer gesunden Entwicklung der noch unreifen Knochen und Gelenke vermieden werden.

 

Ob bei einem Welpen die Veranlagung zur Entstehung einer Hüftgelenksdysplasie vorliegt oder nicht, kann man von außen nicht erkennen. Die oben beschriebenen Maßnahmen in Bezug auf Ernährung und Bewegung dienen zur Prävention der Ausbildung einer HD und sollten deshalb vom Besitzer des Hundes in dessen erstem Lebensjahr in jedem Fall ergriffen werden. Sie senken nachgewiesenermaßen das Risiko für die Ausprägung dieser Fehlentwicklung des Hüftgelenkes.

 

Ob Ihr Hund von HD betroffen ist, kann nur durch eine Röntgenuntersuchung festgestellt werden. Dazu wird vom Tierarzt unter Vollnarkose ein Röntgenbild der Hüften in einer vorgeschriebenen Position angefertigt. Ein dafür vom DRC benannter Gutachter beurteilt dann anhand des Röntgenbildes, ob der Hund ein gut entwickeltes Hüftgelenk hat. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist für jeden Retrieverbesitzer wichtig. Nur anhand des HD-Befundes können Sie einschätzen, wie belastbar ihr Hund im Alltag in Bezug auf Bewegung allgemein ist und ob und in welcher Intensität er später z.B. als Jagdhelfer oder in anderen Bereichen, wie der Dummyarbeit oder dem Hundesport eingesetzt werden kann.

Die HD-Ergebnisse möglichst vieler Retriever sind für den DRC als Zuchtverein von großem Interesse, weil nur über diese Ergebnisse ermittelt werden kann, ob die angewandten züchterischen Maßnahmen des Vereins erfolgreich sind. Um möglichst viele Retrieverbesitzer zu motivieren, HD-Röntgenaufnahmen zur Auswertung über die DRC-Geschäftsstelle an den vom DRC bestellten Gutachter einzureichen, ist die Auswertung der Röntgenaufnahmen für die Besitzer von im DRC gezüchteten Hunden kostenlos, auch wenn diese keine DRC-Mitglieder sind und mit ihrem Hund nicht züchten wollen.

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Züchterische Maßnahmen zur Verringerung des HD-Risikos

Ellenbogendysplasie (ED)

RISIKOMINDERUNG DURCH MAßVOLLE BEWEGUNG UND ERNÄHRUNG DES WELPEN UND JUNGHUNDES UND DURCH ZÜCHTERISCHE SELEKTION

Unter dem Begriff Ellenbogendysplasie (ED) werden verschiedene mögliche Veränderungen des Ellenbogengelenks zusammengefasst, die während des Wachstums entstehen und die, wie unter dem Kapitel HD beschrieben, durch zu viel Bewegung des Welpen und Junghundes und eine zu üppige Fütterung und der damit verbundenen zu schnellen Gewichtszunahme begünstigt werden.

Da als Ursache der Fehlentwicklung des Ellenbogengelenks neben falscher Ernährung und einem zu hohen Maß an Bewegung auch eine genetische Disposition nicht ausgeschlossen werden kann, sind in den Zuchtordnungen der vom DRC betreuten Retrieverrassen ebenfalls Regelungen darüber enthalten, welche ED-Befunde vorliegen müssen, damit ein Hund zur Zucht verwendet werden darf.

 

Auch für die Ellenbogen gilt das unter dem Kapitel HD Gesagte: Damit Sie als Besitzer einschätzen können, wie belastbar Ihr Hund ist, sollten Sie die Ellenbogen Ihres Retrievers röntgen lassen und die Röntgenaufnahmen zur Auswertung über die DRC-Geschäftsstelle dem DRC-Gutachter zur Auswertung vorlegen, auch wenn Sie selbst nicht mit Ihrem Hund züchten wollen.

Auch für die Erstellung des ED-Gutachtens können die Röntgenaufnahmen nur an den Gutachter weitergeleitet werden, wenn der Hund zum Zeitpunkt der Erstellung der Röntgenaufnahmen mindestens 1 Jahr alt war. Für im DRC gezüchtete Hunde werden die Gutachterkosten ebenfalls vom DRC übernommen, da der DRC auch hier an einer möglichst großen Zahl untersuchter und befundeter Nachzuchthunde besonders interessiert ist.

 

Die Einstufung erfolgt auch bei der ED in fünf Schweregraden:

  • ED-frei
  • ED-Grenzfall
  • ED-Grad I
  • ED-Grad II
  • ED-Grad III

Während die meisten interessierten oder zukünftigen Retrieverbesitzer schon einmal etwas von Hüftgelenksdysplasie gehört haben, sind sie mit dem Begriff Ellenbogendysplasie oft nicht so vertraut. Häufig ist ihnen nicht bewusst, dass der Hundehalter einen nicht unerheblichen Einfluss darauf hat (Fütterung und Bewegung des Welpen und Junghundes), ob sich bei seinem Hund eine ED entwickelt. Zunehmende Aufklärung der Besitzer durch die Züchter und die Medien und die auf eine ggf. vorhandene genetische Disposition abzielende Selektion der zur Zucht verwendeten Hunde durch den DRC als Zuchtverein seit den 90er Jahren haben jedoch in den vergangenen Jahren zu einer Veränderung in Bezug auf die Zahl der betroffenen Hunde geführt.  

Die folgende Gegenüberstellung gibt Aufschluss über die Veränderung der ED-Befunde. Verglichen wird der prozentuale Anteil der jeweiligen Einstufungen für die im DRC gezüchteten und ausgewerteten Hunde in den Jahren 1990, 2000 und 2020:

 

1990

  • ED-Grad frei                     76,8%
  • ED-Grad grenzfall             2,2%
  • ED-Grad I                         12,6%
  • ED-Grad II                          7,3%
  • ED-Grad III                         1,1%

2000

  • ED-Grad frei                     84,8%
  • ED-Grad grenzfall             0,1%
  • ED-Grad I                         10,6%
  • ED-Grad II                          3,3%
  • ED-Grad III                         1,2%

2020

  • ED-Grad frei                     93,2%
  • ED-Grad grenzfall             2,5%
  • ED-Grad I                           1,2%
  • ED-Grad II                          2,0%
  • ED-Grad III                         1,1%

Um die Grundlagen zum Thema Ellenbogendysplasie und die Auswertungskriterien für die Erstellung von ED-Befunden etwas ausführlicher darzustellen, haben wir für Sie im Folgenden zwei entsprechende Artikel eingestellt.

Ellbogengelenksdysplasie beim Hund

(Unter besonderer Berücksichtigung der Osteochondrosis dissecans im Bereich der Trochlea humeri sowie des fragmentierten Processus coronoideus medialis ulnae.)

Einführung

Anatomie

Ätiologie

Klinische Symptomatik

Therapie

Ziel der Untersuchung

Prophylaxe

Dieser Text wurde freundlicherweise von Frau Dr. Sigrid Schleich zur Verfügung gestellt.

 

Anschrift:

Tierärztliche Praxis

Dr. Sigrid Schleich

Fachtierärztin für Chirurgie

Weststrasse 49

D-59174 Kamen

Tel.: 02307-235515

 

© Dr. Sigrid Schleich, 1998

Auswertung von ED Röntgenaufnahmen


INFORMATIONEN ZUR ED-AUSWERTUNG

Sehr geehrte Züchter und Züchterinnen im Deutschen Retriever Club e.V.,
hiermit möchte ich Ihnen ein paar Hinweise zur Auswertung von Röntgenbildern zur Ellbogengelenksdysplasie (ED) geben.


Auswertung von ED-Röntgenaufnahmen

Die Auswertung der ED erfolgt durch die Gutachter der GRSK nach den Vorgaben der „International elbow working group“ (I.E.W.G., 2015).

Als Gutachter für HD und ED sind im DRC e.V. folgende Gutachter der GRSK tätig:


Dr. Bernd Tellhelm für Labrador-Retriever, für Flat-Coated Retriever, für Chesapeake-Bay-Retriever, für Curly-Coated Retriever und für Nova-Scotia-Duck-Tolling-Retriever.
Dr. Heinrich Camp für Golden Retriever.


Für den DRC e.V. werden die Aufnahmen ebenfalls in Anlehnung an die Regeln der I.E.W.G. wie folgt ausgewertet:

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