Infektionskrankheiten können durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden, die zum Teil durch Parasiten übertragen oder durch Tröpfchen- oder Schmierinfektionen ausgelöst werden. Einige Infektionskrankheiten können sowohl bei Menschen als auch beim Hund auftreten – manche sind auch vom Hund auf den Menschen übertragbar (Zoonosen).
Hier werden einige mögliche Infektionskrankheiten aufgeführt und beschrieben. Wirksame Impfungen stehen gegen bestimmte der hier aufgeführten Krankheiten zur Verfügung und sind z. T. in den Zuchtordnungen des DRC vorgeschrieben. Grundimmunisierungen gegen diese und andere hier nicht aufgelistete Infektionskrankheiten, wie z. B. Tollwut oder Hepatitis, müssen vor der Abgabe der Welpen an die neuen Besitzer durch den Züchter durchgeführt werden.
Weitere aktuelle Informationen zu den genannten und einigen weiteren Krankheiten finden Sie auch über Wikipedia. Selbstverständlich ersetzen diese Informationen aber nicht die ausführliche Beratung durch einen Tierarzt Ihres Vertrauens.
Zwingerhusten ist eine Erkrankung der oberen Atemwege des Hundes und kann durch verschiedene Erreger über die Luft oder durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Leben mehrere Hunde auf engem Raum zusammen (etwa in einem Zwinger), infizieren sie einander schnell, was der Krankheit den Namen gab. Erhöhtes Infektionsrisiko besteht auch dort, wo sich Hunde aus unterschiedlichen Haltungen im Rahmen von Veranstaltungen (z. B. bei einer Hundeausstellung oder in einer Welpengruppe) begegnen und dabei engen Kontakt miteinander haben. Dies trifft auch auf den Aufenthalt in Tierpensionen oder Tierheimen zu.
Typisch für den Zwingerhusten ist ein lautes, trockenes, würgendes Husten, das zunächst an einen verschluckten Fremdkörper denken lässt, den der Hund aushusten möchte. Der erkrankte Hund hustet nicht zwangsläufig ständig. Es kann auch sein, dass der Hustenreiz nur bei Belastung kurzzeitig auftritt, etwa beim Aufstehen, Laufen oder Spielen.
Bei einem schweren Krankheitsverlauf kann Fieber und zusätzlich zum Husten noch Pharyngitis (Rachenentzündung), Tonsillitis (Mandelentzündung) und Tracheobronchitis, eine Entzündung der Bronchien und der Luftröhre (Trachea) hinzukommen. Auch Schnupfen (Rhinitis) und eine eitrige Bindehautentzündung (Konjunktivitis) können auftreten. Gegen die beiden Haupterreger des Zwingerhustens besteht die Möglichkeit einer Impfung.
Quelle: Wikipedia
Bei der Staupe handelt es sich um eine durch ein Paramyxovirus (RNA-Virus) hervorgerufene, hoch ansteckende Infektionskrankheit bei Hunden und anderen terrestrischen Carnivoren wie Fuchs, Wolf, Dingo, Kojote, Schakal, Frettchen, Nerz, Wiesel, Waschbär und Seehund. Hauskatzen lassen sich zwar mit dem Virus infizieren, zeigen jedoch keine Symptome. Während ein Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose des Menschen inzwischen ausgeschlossen wurde,steht diese Abklärung mit Morbus Paget noch aus (König, Moritz und Thiel 2007).
Infizieren können sich Tiere jeden Alters oral oder aerogen über Sekrete und Exkrete infizierter Hunde (Tröpfcheninfektion), jedoch sind vorwiegend junge Hunde zwischen drei und sechs Monaten, ungeimpfte oder immunsupprimierte Tiere betroffen. Die indirekte Erregerübertragung durch Hände, Kleidung, Schuhe, Futternäpfe usw. ist von geringerer Bedeutung. Eine intrauterine Infektion der Welpen ist ebenfalls möglich. Außer bei intrauterin infizierten Welpen, die mit dem Rückgang der maternalen Antikörper erkranken, beträgt die Inkubationszeit zwischen 3-7 Tagen. Anschließend kommt es je nach Virulenz des Erregers und der Immunantwort dann zu einem akuten, subakuten oder chronischen Verlauf. Je nach den dominierenden Symptomen spricht man von katharrhalischer, gastrointestinaler, kutaner oder nervöser Staupe. Eine Sonderform stellt die selten auftretende Hartballenkrankheit (hard pad disease) dar. Diese ist durch eine übermäßige Verhornung der Haut der Ballen und des Nasenspiegels gekennzeichnet (König, Moritz und Thiel 2007). Die Prognose ist hier ebenso wie bei der nervösen Staupe ungünstig. Allerdings müssen auch die anderen Formen als zweifelhaft beurteilt werden, da keine spezifische Behandlung möglich ist.
Nach einer ersten Virämie, die durch einen Anstieg der Körpertemperatur für 1-2 Tage auf 40° C sowie Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, serösen Augen- und Nasenausfluss gekennzeichnet ist, kommt es nach dem Absinken der Körpertemperatur in den Normalbereich zur Organmanifestation. Der weitere Verlauf der Erkrankung, die Organbesiedlung und eventuelle Sekundärinfektionen hängen in erster Linie vom Immunstatus des Tieres ab (Suter und Hartmann 2006). Baut sich eine gute humorale und zelluläre Immunantwort auf, wird das Virus nach etwa 14 Tagen eliminiert, ohne klinische Symptome hervorgerufen zu haben (subklinischer Verlauf). Nur in seltenen Fällen entwickeln sich aus solch einer stummen Infektion später neurologische Symptome oder die so genannte „Hartballenkrankheit“ (Suter und Hartmann 2006). Das Virus vermag außerdem im Nervengewebe, Haut und Augen fortzubestehen und vermutlich noch Jahre später Symptome hervorzurufen.
Die Symptome variieren je nach dem, welche Organe betroffen sind und nach Vorkommen und Art der bakteriellen Sekundärerreger. Diese werden ebenso wie andere Erkrankungen durch die durch das Staupevirus bedingte Immunsuppression (Immundefizit) begünstigt.
Bei schlechtem Immunstatus entwickelt der Hund respiratorische (eitriger Augen- und Nasenausfluss, Husten, Niesen, Bronchitis, Bronchopneumonie und Durchfall) oder intestinale Störungen (Durchfall, Erbrechen, Dehydratation) unterschiedlicher Ausprägung. Häufig folgen darauf ZNS-Störungen (nervöse Staupe) mit tonisch-klonische Krämpfen, Bewusstseinstörungen, gesteigerte Aggressivität und rhythmische Muskelkrämpfe sowie Paresen und Nervenlähmungen.
Bei der Hautform treten infolge Sekundärinfektionen an den Innenflächen der Schenkel und auf der Ohrinnenfläche Bläschen und Pusteln zusammen mit einer starken Hautrötung auf. Infizieren sich juvenile Tiere während des Zahnens, kommt es zu Zahnschmelzdefekten („Staupegebiss“).
Am schwersten und oft tödlich verläuft die Staupe bei ungeimpften bzw. ungenügend geimpften und/oder gestressten Junghunden (Suter und Hartmann 2006). In den letzten Jahren sind auch in Deutschland wieder vermehrt Staupefälle aufgetreten. Als Ursachen werden eine gewisse Impfmüdigkeit der Besitzer als auch ein zunehmender Import von Hunden ohne ausreichenden Impfschutz vermutet (Suter und Hartmann 2006).
Die Tiere werden am besten durch eine Impfung geschützt. Diese sollte am besten in der achten Lebenswoche mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose, gegebenenfalls Parainfluenza und Leptospirose erfolgen. In der zwölften Lebenswoche sollte diese Kombination dann wiederholt und noch durch die Tollwutimpfung ergänzt werden. Laut Empfehlungen der Ständigen Impfkommission umfasst die Grundimmunisierung weitere Impfungen in der 15./16. Lebenswoche und dann noch mal ein Jahr später. Anschließend wird die Impfung gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose alle drei Jahre aufgefrischt, die anderen Komponenten müssen halbjährlich bzw. jährlich aufgefrischt werden. Das Impfintervall gegen die Tollwut hängt vom verwendeten Impfstoff ab. Nur die Firma Intervet bietet dafür Impfstoffe mit den entsprechenden Zulassungen an.
In besonders gefährdeten Beständen sollte die Grundimmunisierung des Welpen gegen Staupe und Parvovirose bereits mit vier Wochen beginnen. Dazu steht von der Firma Intervet ein Kombinations-Lebendimpfstoff gegen Staupe und Parvovirose zur Verfügung.
Quelle: MSD Tiergesundheit
Die Parvovirose ist eine hochansteckende, weltweit verbreitete Viruserkrankung, die insbesondere für ungeimpfte Hunde eine große, mitunter tödliche Gefahr darstellt. Sie wird durch das canine Parvovirus (CPV) hervorgerufen. Dabei handelt es sich um ein sehr widerstandsfähiges behülltes DNA-Virus, das Monate, u. U. sogar in der Umwelt überleben kann. Die erste dramatische Epidemie, im Laufe derer Tausende Hunde verendeten, trat in den 70er Jahren auf, noch bevor Schutzimpfungen gegen diese Virusinfektion zur Verfügung standen. 1978 wurde erstmals das Virus CPV-2 in den USA isoliert (König, Moritz und Thiel 2007). Schon bald nach dem ersten Auftreten des ursprünglichen Stamms CPV-2 kam es zur Bildung der neuen Varianten 2a und 2b, die CPV-2 weltweit ersetzten. Sie unterscheiden sich durch Aminosäureveränderungen im VP-2 Protein. Im Jahr 2000 wurde zunächst in Italien ein neuer Typ isoliert, der in der italienischen Hundepopulation inzwischen das CPV-2b ersetzt. Diese Mutante wird als neue antigene Mutante 2c bezeichnet. CPV-2c tritt mittlerweile in vielen Ländern wie Spanien, Deutschland und Großbritannien auf – was gerade auch für das Reisen mit Hunden von Bedeutung ist. Ihre weltweite Verbreitung setzt sich auch in Südamerika fort, wo sie erstmals in diesem Jahr als Erreger schwerer blutiger Magen-Darm-Entzündungen beschrieben wurde.
Obwohl derzeit keine Epidemien mehr beobachtet werden, treten Parvovirusinfektionen jedoch nach wie vor recht häufig bei ungeimpften Hunden auf, die nicht selten tödlich für die Tiere enden. Ebenfalls besonders gefährdet sind Welpen, deren maternale Antikörper gerade unterhalb der schützenden Grenze gefallen sind und deren körpereigene Antikörperproduktion erst im Aufbau begriffen ist. Diese Tiere sterben häufig noch vor Erreichen ihres dritten Lebensmonats an den Folgen einer Entzündung des Herzmuskels (König, Moritz und Thiel 2007). Die Tiere können noch Jahre später an Herzversagen sterben (Suter und Hartmann 2006). Ein wirksamer Impfschutz wird bei diesen Welpen jedoch durch die noch vorhandenen, restlichen maternalen Antikörper verhindert, da sie das im Impfstoff enthaltene Antigen als „fremd“ erkennen und zerstören. Kommen Welpen jedoch ohne einen ausreichenden maternalen Schutz auf die Welt, so ist die Gefahr einer generalisierten Erkrankung und Tod nach 2-12 Tagen besonders groß. Generell können sich aber alle Hunde ab einem Alter von vier Wochen infizieren, hauptsächlich erkranken jedoch Tiere, die jünger sind als ein Jahr.
Die Ansteckung erfolgt vorwiegend durch die Aufnahme von infiziertem Kot über verunreinigtes Futter, Belecken von Fell und Händen, Teppichen oder Kleidern. Andere Sekrete oder Exkrete spielen hier nur eine geringe Rolle. Eine direkte Übertragung des Virus von Hund zu Hund ist selten.
Das CPV benötigt zu seiner Vermehrung Zellen mit einer hohen Teilungsrate wie z. B. Zellen der Darmkrypten und des hämatopoetischen und lymphopoetischen Systems. Die Besiedlung dieser Zellen führt bereits wenige Tage nach der Infektion zu entsprechenden Symptomen (Suter und Hartmann 2006). Der Schweregrad der Infektion mit dem Parvovirus variiert stark und der Verlauf hängt zum einen von der Infektionsdosis, zum anderen vom Alter und vom Immunstatus der Tiere ab (Suter und Hartmann 2006, König, Moritz und Thiel 2007). Während ältere Hunde seltener erkranken, sind ungeimpfte oder ungenügend geimpfte Junghunde bis zu einem Alter von sechs Monaten stark gefährdet. Bei Dobermannpinscher, Rottweiler und Deutschem Schäferhund wird von einer zusätzlichen Rasseprädisposition ausgegangen (Suter und Hartmann 2006). Nach einer Inkubationszeit von 4-7 Tagen kommt es in der Regel zu einem akuten Verlauf mit plötzlichem, starkem und anhaltendem Erbrechen. Kurz darauf setzt wässriger oft blutiger Durchfall ein (König, Moritz und Thiel 2007). Die Tiere können bis zu 41,5°C Fieber haben oder leiden an Untertemperatur. Aufgrund von Durchfall und Erbrechen sind die Tiere schnell dehydriert. Zu Todesfällen kommt es vor allem bei Junghunden in Folge von Endotoxinschock bzw. einer Blutvergiftung (König, Moritz und Thiel 2007). Die Infektion des Knochenmarks führt zu einem ausgeprägten Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukopenie), wobei die Lymphozyten besonders betroffen sind. Die daraus resultierende Immunsuppression begünstigt Sekundärinfektionen mit Bakterien oder dem caninen Coronavirus (König, Moritz und Thiel 2007).
Trotz einer umgehenden symptomatischen Behandlung bleibt die Prognose einer klinisch manifesten Parvovirose mäßig bis zweifelhaft. Überleben die Tiere den fünften Krankheitstag, verbessert sich die Prognose. Auf Grund einer Schädigung des Herzmuskels durch das Virus, kann es jedoch zu Herzmuskelentzündungen mit Spätfolgen kommen.
Der wirksamste Schutz ist eine gegen alle Varianten (CPV 2a, 2b und 2c) des Virus schützende Impfung im Welpenalter. Solch ein Schutz wird z. B. durch den Intervet Parvo Impfstamm, der in allen Parvo haltigen Impfstoffen in sehr hoher Antigenkonzentration enthalten ist, bewirkt. Die Impfstoffe können bereits ab einem Alter von 4 Wochen eingesetzt werden. Wichtig für die Ausbildung einer wirksamen Immunität ist eine korrekt erfolgte Grundimmunisierung (siehe Staupe).
Anschließend ist eine Auffrischimpfung lediglich alle drei Jahre erforderlich. In Zuchten, in denen Probleme mit dem Parvovirus aufgetreten sind, sollte auf eine gute Immunisierung der Hündinnen vor der Trächtigkeit geachtet werden (Truyen 2006). Sollte dies nicht erfolgt sein, können die Impfstoffe von Intervet auch noch in der Trächtigkeit verabreicht werden. In diesem Zusammenhang spielt aber auch ein Höchstmaß an Hygiene eine bedeutende Rolle, um zu vermeiden, dass die Welpen mit großen Virusmengen in Kontakt kommen.
Quelle: MSD Tiergesundheit
Die Leptospirose der Hunde ist eine weltweit vorkommende, durch Leptospiren (sogenannte Spirochäten, eine Bakteriengruppe) hervorgerufene, ansteckende Infektionskrankheit. Sie kann in verschiedenen Formen auftreten. Die Mortalitätsrate liegt bei etwa 10 %. Auch eine Infektion des Menschen (siehe Leptospirose) durch den Hund ist möglich, die Leptospirose ist eine Zoonose. Auch andere Tierarten können an Leptospirose erkranken, wobei meist spezifische Leptospirenarten Haupterreger sind. Klinisch äußert sich eine Leptospirose durch Fressunlust (Anorexie), Erbrechen und Fieber. Später sind die Tiere abgeschlagen, bewegungsarm, zeigen eine erschwerte Atmung, manchmal auch Gelbsucht (Ikterus), Blutungen (Hämorrhagien) und Gewebsdefekte (durch Nekrosen bedingte Erosionen) der Maulschleimhaut, Muskelzittern (Tremor) oder blutigen Stuhl infolge einer schweren Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis). Die verschiedenen Serovare haben unterschiedliche Zielorgane. Während die Serogruppen Canicola und Grippotyphosa vor allem die Niere schädigen, befallen Icterohaemorraghiae und Pomona meist die Leber.
Eine häufige Harnabgabe kann als Folge einer akuten Nierenentzündung (Nephritis) auftreten. Ein Nierenversagen ist häufig und die ernsthafteste Komplikation der Erkrankung. Es kann ebenfalls zu einem Anstieg harnpflichtiger Substanzen im Blut (Azotämie) kommen.
Eine Lungenbeteiligung (severe pulmonary hemorrhage syndrome) äußert sich mit Husten (eventuell auch Bluthusten) und Atemnot. In einer retrospektiven Studie wurde bei 70 % der an Leptospirose erkrankten Hunde Lungenveränderungen festgestellt, von Hunden mit schwerer Atemnot überlebte nur ein Drittel die Erkrankung. Die Behandlung erfolgt durch Gabe von Antibiotika. Mittel der Wahl ist Doxycyclin über 14 Tage, da der Wirkstoff zu einer schnellen Erregerelimination führt. Liegt Erbrechen vor, ist zunächst ein anderes Antibiotikum wie Penicillin G oder Ampicillin zu injizieren. Neben der Antibiose müssen in der Regel allgemein unterstützende Behandlungen im Sinne einer symptomatischen Therapie erfolgen. Bei Nierenversagen ist eine Dialyse angezeigt. Bei schweren Lungenblutungen ist eine Sauerstofftherapie angezeigt. Für eine Impfung gibt es Impfstoffe von allen größeren Herstellern, auch als Mehrfachimpfung gegen weitere Hundekrankheiten. Der Impfschutz währt allerdings weniger als ein Jahr und schützt bei den meisten Impfstoffen nur gegen L. canicola und L. icterohaemorrhagiae, nicht aber gegen die mittlerweile viel häufiger vorkommenden anderen Serovare. Die Leptospiroseimpfung ist zwar in der aktuellen Diskussion zur Verlängerung der Impfintervalle ausdrücklich ausgenommen und wird nach den derzeitigen Impfempfehlungen nach wie vor jährlich empfohlen, eine Erweiterung des verimpften Erregerspektrums und eine Reduktion des Impfintervalls auf 6 Monate scheinen aber erforderlich. 2013 wurde ein Impfstoff von Zoetis zugelassen, der neben L. canicola und L. icterohaemorrhagiae auch gegen L. grippotyphosa sowie Tollwut schützt (Versican L3R), MSD Intervet brachte 2013 einen Impfstoff mit den Komponenten L. canicola, L. icterohaemorrhagiae, L. grippotyphosa und L. australis/L. bratislava (Nobivac L4) auf den Markt. Für die Grundimmunisierung sind zwei Impfungen im Abstand von einem Monat notwendig, auch wenn ein neuer Impfstoff mit breiterem Serovarspektrum verwendet wird, sollte neu grundimmunisiert werden. Liegt die letzte Impfung mehr als 18 Monate zurück, ist ebenfalls eine erneute Grundimmunisierung erforderlich. Nach überstandener Erkrankung sollten die Tiere weiterhin geimpft werden, da nicht bekannt ist, wie lange die Immunität anhält.
In Deutschland gehört die Leptospirose der Hunde zu den meldepflichtigen Tierkrankheiten.
Quelle: Wikipedia
Durch Fernreisen in tropische oder Mittelmeerländer werden unsere vierbeinigen Reisebegleiter dort leider auch mit Krankheiten konfrontiert, die es in Deutschland nicht bzw. noch nicht gibt. Ziehen Sie deshalb vor Reiseantritt unbedingt Ihren Tierarzt zu Rate, um wenigstens die prophylaktischen Schutzmaßnahmen auszuschöpfen.
Die Babesiose, auch Piroplasmose genannt, ist eine weltweit, vor allem aber in den Tropen und Mittelmeerländern vorkommende Protozoenkrankheit (Protozoen = kleine Einzeller), die durch Zecken übertragen wird. Leider sind auch bereits in Norditalien, Ungarn, der Süd- und Westschweiz und in der Region Basel Babesien aufgetreten. Die Inkubationszeit beträgt 10 Tage bis 3 Wochen. Es kommt jetzt zur sogenannten Parasitämie, das heißt, die Parasiten vermehren sich in den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und zerstören sie dadurch (Hämolyse).
Dann verschwinden die Parasiten vorübergehend aus dem peripheren Blut, 10 bis 14 Tage später folgt eine zweite massivere Parasitämie. Falls sich die Hunde davon erholen, wechseln nachfolgend verschieden lange Ruheperioden mit unterschiedlich schweren Parasitämie- und Hämolysephasen ab. Die Symptome der Krankheit reichen von Mattigkeit und Schwäche, Fieber (bis 42°C), blassen Schleimhäuten (Anämie), rot- bis grünbraunem Harn, Ikterus, Leber- und Milzvergrößerung bis hin zum plötzlichen Tod bei geschwächten, kranken oder sehr jungen Tieren. Milde und chronische Verlaufsformen können medikamentös behandelt werden. Bei starker Erythrozytenzerstörung werden bereits Bluttransfusionen notwendig, und die Prognose wird immer ungünstiger.
Als Prophylaxe ist daher die Zeckenbekämpfung ganz wichtig. Und sprechen Sie Ihren Tierarzt auch wegen Medikamenten zur eventuellen Vorbeugung vor Reiseantritt an. Es gibt nämlich einen Impfstoff (in Deutschland leider nicht auf dem Markt), der Hunden vor Auslandsreisen verabreicht werden kann. Die Impfung verhindert Todesfälle, Infektionen sind allerdings trotz Impfung möglich.
Die Leishmaniose, eine granulomatöse Haut- und Organkrankheit, ist auch eine Protozoenkrankheit, die ebenfalls aus endemischen Gebieten wie den Mittelmeerländern nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde. Bereits in der Region des Genfer Sees, um Paris und in der Normandie wird vom Auftreten von Leishmanien berichtet. Wilde Caniden (Fleischfresser), Nager, Hunde und Katzen stellen das Erregerreservoir da. Die Ansteckung erfolgt vor allem über Sandmücken (Phlebotomus, oft Sandfliegen genannt); der Erreger kann aber ebenfalls über Schmierinfektionen durch Hautverletzungen aufgenommen, eventuell sogar durch Speichel übertragen werden. Beim Menschen bezeichnet man die Erkrankung je nach Erreger als "Kala-Azar" oder "Dum-Dum-Fieber" (Leishmania donovani; Asien, Europa) bzw. als "Aleppo- oder Orientbeule" (Leishmania tropica; Mittelmeer, Nordafrika). Die Leishmaniose kann jahrelang unbemerkt bestehen (aber Ansteckungsgefahr!) oder äußert sich Monate nach der Infektion in recht unspezifischen, oft schubweise auftretenden Symptomen, wie sie genauso bei vielen anderen Krankheiten vorkommen können (Fieberschübe, Mattigkeit, gelichtetes Haarkleid, Abmagerung, Muskelschwäche).
Hochverdächtig ist eine nicht juckende Hautentzündung mit Haarausfall an Nasenrücken, Ohrspitzen und um die Augen herum ("Brillenbildung"). Es fallen große, leicht fettige, kreideweiße Schuppen auf. Diese Hautveränderungen können sich auf den ganzen Körper ausbreiten und bis zu Haut- und Schleimhautgeschwüren führen. Die Bauchgegend kann durch Vergrößerung von Milz und Leber schmerzempfindlich sein, Nierenentzündung führt zu blutigem Urin, Geschwüre im Magen-Darm-Trakt zu blutigem Kot, blasse Schleimhäute sind Zeichen der fortschreitenden Anämie. Die Behandlung der Leishmaniose ist nur in wenig fortgeschrittenen Fällen sinnvoll, sie ist teuer, aufwendig und mit großen Strapazen (Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, etc.) für den Hund verbunden. Die Prognose ist trotz intensiver Therapie äußerst vorsichtig zu stellen. Mit der Behandlung wird meistens eine vorübergehende Besserung und nur in einem sehr geringen Prozentsatz Heilung erreicht. Da die Ansteckung via Hautwunden möglich ist, sollte man auf peinlichste Hygiene achten. Besondere Vorsicht ist bei Kindern und geschwächten Personen geboten.
Neuere Informationen haben ergeben, dass sowohl Menschen als auch Hunde, die sich niemals in den endemischen Gebieten aufgehalten haben, an Leishmaniose erkrankt sind. Der Verdacht liegt nahe, dass es auch in Deutschland Rückzugsgebiete der Sandmücken gibt. Wenn bei Ihrem Tier eine Leishmanioseerkrankung diagnostiziert wurde, bitten Sie Ihren Tierarzt, diese Information dem Institut für Veterinärparasitologie der Justus-Liebig-Universität in Gießen, Herrn Dr. Bauer oder Herrn Prof. Zahner, mitzuteilen (Tel.: 06 41/993 84 61).
Wir empfehlen Ihnen auch die ausführlichen Informationen von Dr. T. J. Naucke, Bonn, zu Sandmücken und Leishmaniose und zur vorbeugenden Behandlung.
Auch hier werden die Erreger (Rickettsien) durch Zecken übertragen. Die Ehrlichiose ist eine in tropischen und subtropischen Gebieten (südlich des 45. Breitengrads) Asiens, Afrikas und der Mittelmeerländer weit verbreitete Erkrankung (der Deutsche Schäferhund reagiert besonders empfindlich). Die Krankheit beginnt mit einer akuten Phase, die sich in Fieberschüben bis 41°C, Appetitlosigkeit, Atemnot, Lymphknotenschwellungen, eitrigem Nasen- und Augenausfluss und intermittierendem Durchfall äußert. In schweren Fällen kann es darüber hinaus zur Hyperästhesie (Überempfindlichkeit bei Berührungen), zu Krampfanfällen, Muskelzuckungen, Lähmungserscheinungen der Hinterhand oder Gelenksentzündungen kommen.
Hierauf folgt (auch ohne Behandlung) nach 6 bis 17 Wochen entweder Heilung, oder es entwickelt sich die chronische Phase als Ausdruck des Unvermögens, die Ehrlichien zu eliminieren. Rechtzeitig erkannt und behandelt ist die Heilungschance günstig, in fortgeschrittenen Fällen ungünstig.
Als parasitäre Herzerkrankung kommt die Dirofilariose im südlichen Europa und in Amerika vor. Übertragen werden die Larven der sogenannten Herzwürmer durch Stechmücken. Die adulten Würmer parasitieren im rechten Herzen und in den Pulmonalarterien, wodurch es zu Leistungsabfall, Husten, Atemnot und üblen Stauungserscheinungen kommt. Auf Dauer wird das Herz-Kreislauf-System nachhaltig geschädigt.
Sie sehen, die "schönste Zeit des Jahres" kann Tücken für Ihr Tier haben. Schützen Sie es deshalb unbedingt zumindest gegen Zecken. Informieren Sie sich bei Ihrem Tierarzt, ob Sie vor Reiseantritt prophylaktisch etwas tun können. Und falls Ihr Tier erkrankt und Sie es mit unklaren Symptomen beim Tierarzt vorstellen, denken Sie daran, den letzten Auslandsaufenthalt zu erwähnen, auch wenn dieser bereits Monate oder sogar länger zurückliegt. Die Inkubationszeit vieler exotischer Krankheiten kann nämlich sehr lange sein.
Sollten Sie sich im Ausland in ein streunendes Kätzchen oder einen herrenlosen Hund verlieben und ihm in Deutschland ein neues Zuhause geben wollen, beachten Sie zum einen, dass dieses Tier bereits infiziert sein kann, und zum anderen, dass auch die Bundesrepublik Einfuhrbestimmungen hat (Gesundheitszeugnis, gültige Tollwutschutzimpfung). Bitte halten Sie sich an die Bestimmungen, um nicht in Deutschland Krankheiten einzuschleppen, die wir bei uns zum Glück noch nicht haben. So sind zum Beispiel durch den Import spanischer Hunde und Katzen in deutsche Tierheime Leishmaniosefälle auch in Deutschland aufgetreten, obwohl die Tiere angeblich sogar getestet waren. Das Problem hierbei ist die Diagnostik: Bluttests sind, vor allem beim gesund erscheinenden Tier, äußerst unsicher, Sicherheit verschafft die Untersuchung einer aufwendigen Knochenmarkspunktion, die aber routinemäßig nicht durchgeführt wird.
© Dr. Anja Rübelt, 2001
Der Artikel erschien am 14.07.1998 in der Gießener Allgemeinen Zeitung. Die Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Verlags.
Weitere aktuelle Informationen zu den genannten und einigen weiteren Krankheiten in Urlaubsländern finden Sie auch über Wikipedia.
Keine anderen Parasiten ärgern Hundebesitzer mehr als Zecken: Außer im kalten Winter kommen unsere Hunde nach fast jedem Spaziergang im Grünen mit diesen Plagegeistern im Fell nach Hause und wir fragen uns, was wir gegen diese Parasiten unternehmen können, von denen es immer wieder heißt, dass sie gefährliche Krankheiten übertragen können, nicht nur auf den Hund, sondern auch auf uns Menschen. Zwei von Zecken übertragene Erreger sind bei uns in Mitteleuropa am meisten gefürchtet: Die durch Borrelien (Bakterien) hervorgerufene Lyme-Borreliose und die virusinduzierte "Frühsommer-Meningoenzephalitis" (FSME), eine Form der Hirnhautentzündung. In diesem Artikel sollen alte und neue Erkenntnisse über die Lyme-Borreliose, ihre Vorbeugung und Behandlung zusammengefasst werden.
Die Symptome der Krankheit
Benannt ist die Krankheit nach den sie verursachenden Bakterien und der Stadt Lyme in den USA, wo die Krankheit weit verbreitet ist. Sie entwickelt sich bei Mensch und Tier meist schleichend: Am Beginn steht häufig die "Wanderröte" (Erythema chronicum migrans oder einfach nur Erythema migrans), eine sich um die Bissstelle über Wochen vergrößernde Rötung der Haut, die allerdings nicht immer und beim Hund nur in Ausnahmefällen auftritt. Die Wanderröte ist nicht zu verwechseln mit der fast immer auftretenden, knotenartigen Entzündung an der Einstichstelle. Von hier aus kann sich der Erreger ausbreiten, wobei es zu Gelenkbeschwerden, Schmerzen in Muskulatur, Sehnen und Knochen kommen kann. Spätere Stadien können durch neurologische Störungen wie Hirn- und Hirnhautentzündung, Lähmungen sowie dem Befall innerer Organe (insbesondere Herz) gekennzeichnet sein; neurologische Komplikationen sowie eine Beteiligung des Herzens sind – anders als beim Menschen – beim Hund aber sehr selten. Bei Tier und Mensch dominieren im Spätstadium oft die Gelenkbeschwerden, wobei die Bakterien dann mit modernen molekularbiologischen Methoden (PCR) oft in der Gelenkflüssigkeit (Synovia) nachgewiesen werden können. Beim Hund (insbesondere beim Berner Sennhund, seltener auch beim Golden- und Labrador-Retriever) wird außerdem manchmal eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) mit der Borreliose in Verbindung gebracht [Kästen 1 u. 2].
Lyme-Borreliose beim Menschen
Lyme-Borreliose bei Tieren
In Deutschland sind etwa 20 bis 30 % aller Zecken der Art "Gemeiner Holzbock" (Ixodes ricinus) Träger von Borrelien, mit starken regionalen Schwankungen. Die Borrelien gelangen erst ca. 16-24 Stunden nach Beginn des Saugaktes der Zecke in den Wirt. Man sollte meinen, dass der Zeckenbiss in diesen Fällen auch mit einer Infektion von Mensch oder Hund einhergeht. Zum Glück erkranken aber nur ein sehr kleiner Teil der Menschen und ein noch kleinerer Teil der Hunde, wenn sie infiziert werden. Viele Infizierte scheinen eine genetisch bedingte Resistenz zu besitzen und auch nach zahllosen Zeckenbissen nie zu erkranken, selbst dann, wenn sich die Bakterien im Körper ausbreiten.
Von Wildtieren, die ja in großem Maß von Zecken gebissen werden, nimmt man an, dass sie vollständig gegen die Krankheit resistent sind. Durch die Domestikation ist die Borreliose-Resistenz bei Haustieren wohl aber teilweise verloren gegangen. Solide Daten über die Resistenz gegenüber Lyme-Borreliose bei verschiedenen Hunderassen gibt es genauso wenig wie beim Menschen. Sicher ist lediglich, dass die meisten Hunde (sowie Wölfe), die regelmäßig von Zecken gebissen werden, Antikörper gegen Borrelien in sich tragen ohne zu erkranken.
Genauere Daten zur Erkrankungsrate sind nur beim Menschen bekannt. Eine Untersuchung an der Universität Heidelberg ergab, dass 3,5 % aller von Zecken gebissenen Personen von Borrelien infiziert wurden. In den meisten Fällen kam es jedoch zu keinen weiteren Krankheitssymptomen außer der Wanderröte (und selbst die wird in weniger als der Hälfte aller Fälle beobachtet): Das körpereigene Immunsystem ist in der Regel in der Lage, die Bakterien abzutöten. Der Krankheitsverlauf und die Symptomatik der Borreliose hängen beim Menschen (und vermutlich auch beim Hund) von der infizierten Borrelien-Art ab. So wird Borrelia afzeliibevorzugt für Gelenk- und Hauterkrankungen, Borrelia garinii für neurologische Symptome und Erkrankungen des Herzens verantwortlich gemacht. Beim Menschen wurden zudem verschiedene genetische Faktoren gefunden, die entscheidend sind für die Unterschiede im Ausbruch und im Verlauf der Krankheit. Es ist anzunehmen, dass ähnliche Resistenzfaktoren auch dafür verantwortlich sind, ob und eventuell wie stark Hunde an Borreliose erkranken.
Beim Menschen wird davon ausgegangen, dass lediglich ca. 0,1 bis maximal 1,5 % der Zeckenbisse zu einer Erkrankung führen. Da in zeckenverseuchten Gebieten bis zu 90 % der daraufhin untersuchten Hunde Borrelien-Antikörper tragen (wovon die wenigsten erkranken), ist anzunehmen, dass die Zahl der Borreliose-resistenten Hunde sogar noch weit größer ist als die der resistenten Menschen.
Antibiotika-Therapie in den meisten Fällen erfolgreich.
Eine korrekt durchgeführte Behandlung der Borreliose mit Antibiotika führt in aller Regel zum Verschwinden der Symptome. Obwohl Borrelien (im Gegensatz zu vielen anderen Bakterien) keine Resistenz gegen Antibiotika entwickeln können, gelingt es aber in Einzelfällen nicht, sie mit dieser Behandlung restlos aus ihren Nischen zu vertreiben. Wenig bekannt ist, dass Borrelien in Zellen eindringen können, wo sie von den meisten Antibiotika nicht oder nur schwer erreichbar sind. Die erste Wahl ist daher ein Antibiotikum, das auch intrazellulär wirksam ist. Dazu gehört vor allem Doxycyclin. Es muss aber unbedingt über mindestens 3 bis 4 Wochen gegeben werden, um die sich langsam vermehrenden Borrelien sicher abtöten zu können (bei Junghunden und trächtigen Hündinnen sollte es nicht gegeben werden, da sich die Zähne verfärben können). Auch die Gelenksflüssigkeit in den großen Gelenken, in denen sich Borrelien vermehren können, sind solche durch Antibiotika schwer zu erreichende Stellen. Das Doxycyclin hat außer seiner Bakterien-abtötenden Wirkung noch einen ganz anderen, einen "chondroprotektiven" Effekt: Es führt zu einer Verbesserung der Knorpelfunktion und damit zu einer Schmerzlinderung. Eine erfolgreiche Doxycyclin-Therapie muss also nicht unbedingt bedeuten, dass die Ursache der Schmerzen auf eine Borreliose zurückzuführen und diese nun besiegt ist – das Doxycyclin wirkt gleichsam auch wie ein gutes Schmerzmittel für die Gelenke.
Borrelieninfektionen hinterlassen wie die meisten bakteriellen Erkrankungen keine lebenslange Immunität. Daher sind erneute Erkrankungen durch erneute Infektionen möglich. Da es kaum Kreuzreaktionen zwischen den Antikörpern gegen die verschiedenen Borrelien-Arten gibt, kann ein sensitiver Patient außerdem immer auch an der Infektion mit einer Borrelien-Art erkranken, die nicht identisch ist mit der der ersten Infektion.
In der Humanmedizin wurden therapieresistente Fälle auch auf bestimmte Genkombinationen der Patienten zurückgeführt. In solchen Fällen muss sich die ärztliche Behandlung auf die Linderung der Symptome beschränken.
Ist eine Schutzimpfung sinnvoll?
Eine vorbeugende Schutzimpfung gegen die Lyme-Borreliose ist derzeit nicht für den Menschen, jedoch für den Hund erhältlich. Leider sind die in Europa erhältliche Schutzimpfungen noch mit Problemen behaftet, weswegen eine Anwendung der Impfstoffe kritisch zu sehen ist:
Erreger der Lyme-Borreliose beim Menschen und ihre Häufigkeit bei Zecken in Deutschland
Borrelia burgdorferi sensu lato (i.w.S.), weit verbreitete Spezies:
nur regional vorkommend:
Verbreitung der Borrelien-Arten regional sehr unterschiedlich! In USA nur Borrelia burgdorferi sensu stricto vorkommend, in BRD teilweise fehlend.
Ob auch die selteneren Arten B. lusitaniae und spielmani für Hunde pathogen sind, ist noch nicht gesichert. (sensu lato = im weiteren Sinne, sensu stricto = im engeren Sinne)
Die in Mitteleuropa erhältlichen Impfstoffe sind sogenannte Ganz-Keim- oder Vollerreger-Vakzinen. Ein solcher Impfstoff besteht nicht aus einzelnen gereinigten Komponenten, sondern aus abgetöteten Bakterien und damit aus praktisch allen Bakterienbestandteilen, vor allem also aus unnötigen Komponenten. Von solchen früher auch in der Humanmedizin verwendeten Impfstoffen ist eine schlechte Verträglichkeit bekannt. Die Krankheitssymptome der Borreliose beruhen nicht nur auf dem direkten Einfluss der Bakterien, sondern sind nach unserem heutigen Kenntnisstand auch auf die Immunreaktion des Wirtes gegen die Borrelien zurückzuführen, beruhen also z. T. auf einer sog. Immunpathogenese. Dem Autor dieser Zeilen wurde von Tierärzten und Hundebesitzern immer wieder berichtet, dass gesunde Hunde Stunden nach einer Impfung schwer erkrankten. Eindeutige Beweise, dass die Symptome in diesen Fällen tatsächlich auf die Borreliose-Impfung zurückzuführen sind, sind schwer zu erbringen; es ist zu befürchten, dass Autoimmunreaktionen, die durch den Impfstoff hervorgerufen werden, zu diesen Symptomen führen. Tierarzt und Hundebesitzer sollten daher die Notwendigkeit einer Borreliose-Impfung kritisch überdenken. Außerdem wird, um einer Impfstoff-bedingten Erkrankung vorzubeugen, empfohlen, keinesfalls in der Zeckensaison zu impfen – wenn überhaupt. Zudem muss sichergestellt sein, dass die zu impfenden Tiere gesund und nicht bereits mit Borrelien infiziert sind – also keine Impfung ohne vorherigen sorgfältigen Nachweis, dass zumindest keine Borrelien-Antikörper vorhanden sind.
Wie oben dargelegt, ist ein erheblicher Teil aller bei uns vorkommenden Zecken Träger von Borrelien, wobei der genaue Prozentsatz von Ort zu Ort und Jahreszeit zu Jahreszeit variiert. Hunde, die viel im Freien sind und häufig Zeckenkontakt haben, sind daher meist mit Borrelien infiziert und sozusagen natürlich geimpft worden. Sie haben bereits Antikörper gebildet – in aller Regel ohne zu erkranken.
Leider sind die meisten serologischen Tests auf Borreliose (Tests auf Antikörper im Blut) schlecht und bringen einen hohen Anteil sowohl falsch positiver wie falsch negativer Ergebnisse! Nicht alle Labors beherrschen den Nachweis verlässlich (das gilt in der Humanmedizin ganz genauso)! Zu den besonders sicheren Methoden gehört der Nachweis der Borrelien in Kultur oder die sog. Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR), eine moderne Methode zum spezifischen Nachweis von Erbmaterial (DNA). Untersuchungen belegen, dass die allgemein verwendeten Methoden zum Nachweis von Borrelieninfektionen erschreckend unsicher sind. Das gilt selbst für die moderne PCR, die aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit so geringe Borrelien-Zahlen nachweisen kann, dass jede Hunde-Haut, die gelegentlichen Zeckenbesuch aufzuweisen hat, positive Ergebnisse bringen kann, wenn die Blutentnahme nicht mit entsprechender Vorsicht vorgenommen wird. Borreliose bei Hunden ist daher kaum mit Sicherheit zu diagnostizieren und wird, wie es Frau Prof. Hartmann (München) in einem Fachblatt formulierte, "hoffnungslos überdiagnostiziert". Oft sind die beobachteten Symptome auf andere Erkrankungen zurückzuführen.
Schlussbemerkungen
Die Borreliose ist beim Hund viel seltener als beim Menschen und wird vielfach falsch diagnostiziert. Auch aus diesem Grund stehen die meisten Fachleute einer Borrelien-Schutzimpfung für Hunde derzeit skeptisch gegenüber. An der Entwicklung von wirkungsvollen Vakzinen wird intensiv gearbeitet, so dass zu hoffen ist, dass auf lange Sicht verlässliche Impfstoffe zur Anwendung bei Mensch und Tier zur Verfügung stehen werden. Wen die Krankheit trifft, hat mit der richtigen Behandlung aber gute Aussichten auf eine Heilung.
Das Beste, was man gegen die Hunde-Borreliose tun kann, ist wohl die Vorbeugung: Den Hund äußerlich mit einem der gegen Zecken wirksamen Mittel behandeln (Scalibor-Halsband oder ein Spot-On-Präparat wie ExSpot, Advantix, Preventic, Frontline o. ä.) und nach jedem Spaziergang gut nach den Tierchen absuchen.
Wichtige Informationsquellen:
Nationales Referenzzentrum für Borrelien
Nationales Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten (Friedrich-Löffler-Institut, Jena)
Vorsicht vor Informationen aus dem Internet (Foren), speziell bei Behandlungs(miss)erfolgen!
Quelle:
© Dr. Roland Friedrich (Friedrich@glamis.de)
Professor i .R. für Virologie und molekulare Onkologie am Universitätsklinikum Gießen
http://www.glamis.de/borrel.html
Zuletzt vom Autor überarbeitet 2011.
Anaplasmen werden durch Zecken übertragen. Die Übertragung kann erfolgen, wenn die Zecke sich über einen Zeitraum von mindestens 36 Stunden am Wirtstier festgebissen hat.
Bei ca. 20 bis 30 % aller Hunde in Deutschland können Antikörper gegen dieses Bakterium nachgewiesen werden, das über Zecken auch Menschen infizieren kann.
Die meisten infizierten Hunde zeigen lebenslang keinerlei Symptome. Nur in sehr wenigen Fällen entwickelt sich nach der Infektion eine Krankheit. Im Falle einer Erkrankung treten innerhalb von ca. 4 – 7 Tagen unspezifische Symptome wie bei anderen fieberhaften Erkrankungen auf. Über das Blut werden dabei Organe wie die Leber, die Lunge die Nieren oder das Nervensystem angegriffen. Die Behandlung einer Anaplasmose erfolgt mit Antibiotika, durch die in fast allen Fällen innerhalb eines Zeitraumes von wenigen Tagen eine deutliche Besserung der Symptome erreicht werden kann.
Die beste Prophylaxe gegen Anaplasmose stellt ein ganzjähriger Zeckenschutz mit Zeckenhalsbändern oder anderen Präparaten zur Zeckenabwehr dar.
Wer kennt die vermeintlichen Mückenstiche nicht, die an Körperteilen auftauchen, an die Stechmücken eigentlich gar nicht gelangen können. Man spürt sie erst, wenn man schon längst nicht mehr draußen ist, oft erst ein oder zwei Tage später, besonders morgens unter der warmen Bettdecke. Die Quaddeln, die sich von Mückenstichen wenig unterscheiden, sitzen an den Fesseln, an den Beinen, am Bauch und anderen meist bedeckten Körperoberflächen, speziell dort, wo die Haut dünn ist und die Kleidung eng anliegt. Aber nicht nur wir Menschen werden davon befallen, auch Hunde und Katzen werden von diesen Plagegeistern heimgesucht, die vielen Menschen unbekannt sind: Es sind die Gras- oder Herbstmilben (auch Erntemilben genannt; Neotrombicula autumnalis), die in vielen Teilen Deutschlands weit verbreitet sind und manch einem Geplagten Rätsel aufgeben. Hunde und Katzen kratzen sich, beißen sich an ihren Pfoten, um den Juckreiz zu stillen. Junge Tiere mit noch dünner Haut sind besonders gefährdet, vor allem zwischen den Ballen, am Bauch, Hündinnen auch an ihrer Schnalle (Schamlippen).
Der Milbenbefall (Trombidiose) wird in manchen Gegenden Deutschlands auch "Beiß" oder "Herbstbeiße" genannt; im Englischen heißen die Parasiten "chiggers". So weit man weiß, werden von der Herbstmilbe in Deutschland (anders als in Ostasien) keine Krankheiten übertragen.
Wie alle Milben durchläuft die Herbstmilbe ein Larvenstadium. Im Gegensatz zu den Zecken (die zoologisch auch zu den Milben gehören), bei denen in der Regel der Mensch von den ausgewachsenen (adulten) Tieren oder von den Larven gebissen wird, ist es bei den Herbstmilben ausschließlich die Larve, die uns und die Tiere plagt. Sie ist so klein, dass man sie normalerweise nicht sieht: deutlich unter 1 mm, ein rosarotes Tierchen mit sechs Beinen und einem Saugrüssel. Durch diesen Rüssel scheidet es Sekrete aus, mit dem das Gewebe aufgelöst und anschließend aufgesaugt wird. Die Quaddeln tragen an ihrer Spitze ein kleines, kaum sichtbares Bläschen, unter dem sich die Milbe aufhält. Während Mückenstiche, sofern sie sich nicht entzünden, nach kurzer Zeit nicht mehr zu spüren sind, hält das Jucken der Herbstmilbenstiche meist mehrere Tage an.
Nach dem Schlüpfen aus dem Ei ersteigen die Larven nicht vor Mitte Juli Grashalme und andere kleine Pflanzen, von denen sie im Vorbeigehen abgestreift werden. Nach dem Vollsaugen fällt die Larve ab und verkriecht sich im Erdboden, wo sie sich zur Nymphe weiter entwickelt. Die Zeit des stärksten Vorkommens der Herbstmilbenlarve liegt in Deutschland in den Monaten August und September. Vermeintliche Herbstmilbenstiche im Frühjahr sind wohl auf andere Ursachen zurückzuführen. Das adulte Tier, das vermutlich im Frühjahr aus der Nymphe schlüpft (der genaue Zeitraum ist nicht ausreichend erforscht), besitzt 8 Beine und ernährt sich von Insekten und deren Eiern. Im Haus kann sich die Herbstmilbe daher nicht vermehren.
Da die Milben viele verschiedene Säugetiere (und sogar Vögel) befallen können, sind sie besonders auf Weiden oder Wiesen zu finden, auf denen sich viele Nutz- und Haustiere tummeln. Die Milben stechen vornehmlich in den Sommer- und Herbstmonaten. (Ähnliche Stiche, über die manchmal bereits im wärmer werdenden Frühjahr berichtet wird, sind vermutlich auf andere Parasiten, evtl. Vogelmilben zurückzuführen.) Bei trockenem, warmem Wetter empfiehlt es sich also, die genannten Weiden und Wiesen zu meiden. Um den Biestern keine Chance zu geben sich festzusetzen, sollte man sich nach der Rückkehr zu Hause abduschen und die Kleider wechseln. Den Hunden hilft vielleicht Schwimmen, um die Milbenlarven loszuwerden, die sich noch nicht festgebissen haben. Personen, die häufig befallen werden oder sogar eine Allergie entwickeln und mit großflächigen Quaddeln reagieren (Urtikaria), sollten Schuhe und Hosen sowie evtl. auch die Beine mit Repellentien (z. B. Autan) oder Pyrethroid-haltigen Insektensprays einsprühen.
Hat man die Milben im eigenen Garten, so kann man ihnen durch regelmäßiges Mähen die Gelegenheit nehmen, auf erhöhtem Posten auf ihr Opfer lauern zu können. Der Grasschnitt sollte so entsorgt werden, dass die Milben den Weg in den Garten nicht zurück finden. Eine völlige Ausrottung der Milben wird aber kaum gelingen. Auch eine chemische Behandlung des Rasens ist sinnlos, da dadurch gleichzeitig die Fressfeinde der Milben abgetötet werden und die Herbstmilben zudem wieder einwandern. Da die Milben sich von (feuchter) Erde nicht weit entfernen, ist man auf Terrassen und ähnlichem im allgemeinen sicher.
Bei Hunden kann man den Herbstmilbenbefall mit denselben Mitteln verhindern wie einen Befall mit Zecken, also z. B. mit ExSpot, Frontline oder einem Zeckenhalsband. Erhältlich sind diese Mittel über den Tierarzt.
Wenn das Jucken gar zu schlimm ist, sollte man die befallenen Hautstellen mit 70%igem Alkohol abreiben. Die Milben werden dadurch abgetötet, der Juckreiz dauert allerdings noch einige Stunden an. Statt des teuren Ethylalkohols (Ethanol) kann man auch den billigen Isopropylalkohol (Isopropanol) verwenden (engl.: "rubbing alcohol"; er wird in der Medizin zum Desinfizieren der Haut benutzt). Um den Juckreiz schneller zu beenden, kann man nach dem Abtupfen mit Alkohol noch ein juckreizstillendes Gel (z. B. Fenistil, Soventol) auftragen, was man eventuell noch ein oder zwei Mal wiederholen muss.
Eine Alternative zum Abreiben mit Alkohol sind bei starkem Befall "Crotamitex" oder "Jacutin" (rezeptfrei in der Apotheke). Der Hund sollte diese Milbengifte allerdings nicht abschlecken können, und sie sollten auch nicht auf Schleimhäute aufgetragen werden. Eine Behandlung milbenverseuchter Rasenflächen mit Insektiziden wird nicht empfohlen, da dabei auch die nützlichen Kerbtiere vernichtet werden, die für einen guten Boden unbedingt notwendig sind.
Rasen häufig mähen, Schuhe und Hosen mit Repellentien einsprühen, Wechsel von Strümpen und Schuhen (evtl. auch Hosen) nach dem Aufenthalt auf befallenen Flächen, baldiges Duschen. Sollten trotzdem noch Stiche auftauchen: Frühzeitig abtupfen mit Alkohol, juckreizstillendes Gel auftragen.
Quelle: © 1996, 2007, 2012 Prof. Dr. Roland Friedrich, Universität Gießen
Weitere Informationen finden sich u.a. auf folgenden Web-Seiten:
Eine hervorragende Zusammenfassung ("Trombiculiden und Trombidiose") aus der Zeitschrift für Allgemeinmedizin (2000)
Detaillierte Untersuchungen zur Biologie und Ökologie der Herbstmilbe finden sich in einer Dissertation (Univ. Bonn, 2003, 300 Seiten), die wohl derzeit die aktuellste und ausführlichste Arbeit zum Thema Herbstmilbe ist.