Geschlechtsspezifische Unterschiede

Der grundlegende Unterschied zwischen Rüde und Hündin ist allgemein bekannt: Während Hündinnen Welpen gebären und aufziehen, sind Rüden für deren Zeugung verantwortlich.

Viele Unterschiede im Verhalten sind auf diesen Umstand zurückzuführen und werden, genau wie die unterschiedliche Ausprägung bestimmter körperlicher Merkmale zu einem erheblichen Prozentsatz durch hormonelle Einflüsse ausgelöst und gesteuert.

Die Grenzen der geschlechtsspezifischen Unterschiede sind dabei aber fließend und die Ausprägung der verschiedenen, für ein Geschlecht „typischen“ Merkmale, sowohl im Verhalten wie auch im Aussehen, ist individuell sehr unterschiedlich.

 

In der Pubertät entwickelt sich nicht nur die mit der Geschlechtsreife verbundene Fortpflanzungsfähigkeit von Rüde und Hündin, sondern hier nimmt auch die Ausprägung von körperlichen Merkmalen und bestimmten geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen „Fahrt auf“.

Sexualität der Hündin

Läufigkeitszyklus und Scheinträchtigkeit

        1. Der Eintritt der Geschlechtsreife der Hündin ist gekennzeichnet durch das erstmalige Auftreten einer Läufigkeit. Entscheidend für diesen Zeitpunkt ist das Erreichen des adulten Körpergewichts.

 

Hündinnen kleiner Rassen sind bereits im Alter von sechs Monaten ausgewachsen und werden meist mit einem halben Jahr läufig. Großrassige Hündinnen dagegen erreichen ihr definitives Körpergewicht erst nach Vollendung des ersten Lebensjahrs und kommen entsprechend später in die Pubertät. Die meisten Hündinnen werden alle sechs bis sieben Monate läufig. Es bestehen aber große rassebedingte und individuelle Unterschiede (4 bis 12 Monate). Bei einer bestimmten Hündin ist jedoch normalerweise die Dauer des Läufigkeitsintervalls konstant. Der Läufigkeitszyklus gliedert sich in vier Phasen: Proöstrus (Vorbrunst), Östrus (Brunst),Metöstrus (Nachbrunst) und Anöstrus (Ruhephase).

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Pyometra


Eitrige Gebärmutterentzündung – Eine gefürchtete Erkrankung bei Hündinnen

Die "typische" Pyometra ist eine meist 3 bis 8 Wochen nach einer Läufigkeit auftretende Erkrankung des Uterus (Gebärmutter), wenn Muttermund und Zervix (Gebärmutterhals) noch nicht wieder ganz geschlossen sind und daher Keime in den Uterus eindringen können. Das führt dann zu seiner Entzündung. Da sich die Zervix bald nach der Läufigkeit schließt, kann die sich im Uterus ansammelnde, eitrige Flüssigkeit nicht abfließen, was zu einer starken Vergrößerung des Uterus führt. In günstigen Fällen gelangt die Flüssigkeit doch durch Zervix und Scheide nach außen, was dann meist an einem gelben oder (durch die Beimengungen mit Blut) braunen Ausfluss erkennbar ist. Die geschlossene Form der Pyometra ist durch schlechten Allgemeinzustand der Hündin und ihren großen Durst auffällig. Manche Fälle der Pyometra können aber auch atypisch verlaufen. In jedem Fall sind aber Appetitmangel und großer Durst kurz nach der Hitze höchste Alarmzeichen, wegen derer man umgehend den Tierarzt aufsuchen sollte. Leider ist eine medikamentöse Behandlung nur in seltenen Fällen erfolgreich; meist ist eine Operation mit Entfernung von Uterus und Ovarien nötig. Aber auch bei der offenen Form ist in vielen Fällen diese Operation unumgänglich, insbesondere weil die Rezidivrate sehr hoch ist (also die erneute Erkrankung nach der nächsten Läufigkeit).
 

Daneben gibt es noch eine (seltenere) hormonbedingte Pyometra, die nach einer Hormonbehandlung, aber auch bei hormoneller Fehlregulation auftreten kann.
 

© Prof. Dr. Roland Friedrich

Professor i .R. für Virologie und molekulare Onkologie

am Universitätsklinikum Gießen

Kastration der Hündin

Einfacher Routineeingriff ohne Spätfolgen?

Häufig wird die Kastration der Hündin als vorbeugende Maßnahme gegen Gesäugetumore, Gebärmutterentzündungen (Pyometra) oder Scheinträchtigkeiten empfohlen. Viele Hündinnenbesitzer entscheiden sich auch für diesen operativen Eingriff, bei dem der Hündin mittels eines relativ großen Bauchschnittes die gesamte Gebärmutter inkl. der Eierstöcke entfernt wird, weil Ihnen die regelmäßig auftretende Läufigkeit der Hündin mit den typischen Begleiterscheinungen – wie z. B. dem blutigen Scheidenausfluss oder der großen Attraktivität der Hündin für Rüden in dieser Phase – unangenehm und lästig sind.

 

Neben der Tatsache, dass Gesäugetumore gemäß entsprechender Studien bei weniger als 2 % der Hündinnen auftreten, ist ebenfalls durch Studien belegt, dass diese aufgrund nicht hormonell bedingter Risikofaktoren auch bei kastrierten Hündinnen auftreten. Scheinträchtigkeiten sind, wie im obigen Artikel „Läufigkeitszyklus und Scheinträchtigkeit“ beschrieben, physiologisch und verlaufen in den meisten Fällen vom Besitzer völlig unbemerkt und symptomlos.

 

Allein die Verhinderung der ein- bis zweimal jährlich auftretenden Läufigkeit sollte kein Entscheidungskriterium für die Durchführung einer Kastration sein. Es handelt sich dabei um einen recht großen operativen Eingriff mit unumkehrbarer Organentnahme, der einen erheblichen Eingriff in den Hormonhaushalt der Hündin darstellt.

 

Da Hormone einen erheblichen Einfluss auf den gesamten Körper haben, stellt eine Kastration bei Weitem nicht nur einen Eingriff in die Fortpflanzungsfähigkeit der Hündin dar. Sie wirkt sich auf den gesamten Stoffwechsel, die körperliche und geistige Entwicklung, den Alterungsprozess (nicht nur in Bezug auf Knochen, Muskeln, Gelenke, Bindegewebe usw.), das Verhalten und vieles mehr erheblich aus.

 

Eine detaillierte Beschreibung der möglichen und z. T. erheblichen Spätfolgen und unerwünschten Nebenwirkungen einer Kastration ist an dieser Stelle nicht möglich.

Umfassende Informationen zu dem Thema stehen in Form von Büchern oder Veröffentlichungen im Internet zur Verfügung.

Vor der Entscheidung über die Durchführung einer Kastration sollte eine gründliche Abwägung zwischen Nutzen und Risiko erfolgen, wenn diese nicht aus medizinischen Gründen zwingend notwendig ist.

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Sexualität des Rüden

FORTPFLANZUNGSFÄHIGKEIT UND PUBERTÄT

Landläufig wird der Eintritt der Geschlechtsreife des Rüden damit in Zusammenhang gebracht, dass er beim Absetzen von Urin eines seiner Hinterbeine hebt. Tatsächlich ist das aber kein sicheres Anzeichen für den Beginn seiner Fortpflanzungsfähigkeit und die Phase seiner Pubertät ist damit noch lange nicht abgeschlossen.

 

Rüden beginnen irgendwann ab der zweiten Hälfte ihres ersten Lebensjahres damit beim Urinieren ein Hinterbein zu heben. Dieses Verhalten wird aber nicht immer von Anfang an dauerhaft gezeigt. Immer wieder wird er dabei auch zu der für Welpen üblichen Körperhaltung zurückkehren. Oft dauert es Wochen, bis der Rüde grundsätzlich immer auf drei Beinen steht, wenn er Urin absetzen will und er tut das dann auch immer öfter nicht mehr nur um seine Blase zu entleeren, sondern auch um Markierungen zu setzen.

 

Das „Bein-Heben“ ist aber nicht zwingend die Voraussetzung dafür, dass ein Rüde erst ab diesem Zeitpunkt in der Lage ist, Welpen zu zeugen. Es sind durchaus Fälle bekannt, in denen Rüden – oft sehr zur Überraschung ihrer Besitzer – erfolgreich Hündinnen gedeckt haben, die zuvor noch nie das Bein gehoben hatten.

Der tatsächliche Eintritt der Fortpflanzungsfähigkeit ist also allein durch äußere Anzeichen oder das Alter des Rüden nicht festzustellen.

 

Auch die Pubertät beim Rüden ist ein lange andauernder Prozess, in dem er über einen Zeitraum von Monaten hinweg sein männliches Verhalten entwickelt. In dieser Phase stellen manche Rüden ihre Besitzer vor ganz neue Herausforderungen, weil sie sich auf ganz andere Weise für Hündinnen – besonders in deren Läufigkeit – interessieren, möglicherweise Territorialverhalten zeigen und auch in manchen Fällen anderen Rüden gegenüber bis dahin unbekannte Verhaltensweisen entwickeln.

Kastration des Rüden

LÖSUNG ALLER PROBLEME BEI VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN?

Da erwachsene Rüden, im Gegensatz zu Hündinnen, das ganze Jahr über sexuell aktiv sind, werden viele Verhaltensweisen des Rüden auf eine übermäßige Testosteronkonzentration zurückgeführt oder mit seinem angeblich stetig im Vordergrund stehenden Fortpflanzungstrieb in Verbindung gebracht.

 

Viele Rüdenbesitzer entscheiden sich für eine Katration des Rüden, weil er während oder nach der Pubertät Menschen und anderen Hunden gegenüber ein Verhalten zeigt, dass vom Halter des Hundes als unangemessen oder unkontrollierbar empfunden wird. Den entscheidenden Impuls stellt dann oft eine Empfehlung anderer Rüdenbesitzer oder Hundetrainer dar, nach der alle vermeintlichen Probleme durch eine Kastration gelöst werden können.

 

Die an die Durchführung der Kastration gebundene Hoffnung auf Verhaltensänderung wird aber meist enttäuscht. Nur in den seltensten Fällen sind Verhaltensauffälligkeiten tatsächlich sexuell bedingt und verstärken sich häufig sogar nach der Kastration noch.

 

Die Notwendigkeit einer Kastration wird häufig auch damit begründet, dass Rüden darunter leiden, wenn sie sich nicht sexuell betätigen können. Studien belegen aber, dass sich z. B. bei verwildert lebenden Straßenhunden im Rudel auch nur höchstens 20 % der Rüden fortpflanzen.

 

Die Kastration ist die operative, nicht umkehrbare Entfernung der Keimdrüsen (Hoden) unter Vollnarkose. Eine Kastration bewirkt eine vollständige Umstellung des Hormonhaushalts, was insbesondere bei Frühkastrationen häufig zu Problemen führt.

 

Da Hormone einen erheblichen Einfluss auf den gesamten Körper haben, stellt eine Kastration bei Weitem nicht nur einen Eingriff in die Fortpflanzungsfähigkeit des Rüden dar. Sie wirkt sich auf den gesamten Stoffwechsel, die körperliche und geistige Entwicklung, den Alterungsprozess (nicht nur in Bezug auf Knochen, Muskeln, Gelenke, Bindegewebe usw.), das Verhalten und vieles mehr erheblich aus.

 

Eine detaillierte Beschreibung der möglichen und z. T. erheblichen Spätfolgen und unerwünschten Nebenwirkungen einer Kastration ist an dieser Stelle nicht möglich.

Umfassende Informationen zu dem Thema stehen in Form von Büchern oder Veröffentlichungen im Internet zur Verfügung.

Vor der Entscheidung über die Durchführung einer Kastration sollte eine gründliche Abwägung zwischen Nutzen und Risiko erfolgen, wenn diese nicht aus medizinischen Gründen zwingend notwendig ist.

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