Die Apportierarbeit mit Dummys ist eine der beliebtesten Hundesportdisziplinen für Retriever in Europa. Ihre Ursprünge liegen in England, wo bereits Mitte des 20. Jahrhunderts für die Ausbildung von Retrievern statt Wild feste, grüne „Leinensäckchen“ – sogenannte Dummys - verwendet wurden. Da sich damit jagdliche Apportiersituationen einfach nachstellen ließen, verbreitete sich diese Trainingsmethode schnell. Schon bald wurden zur Leistungsüberprüfung auch Prüfungen mit Dummys veranstaltet – die Geburtsstunde der Working Tests!
Heute bietet die Dummy-Arbeit nicht nur eine ideale Beschäftigung für Retriever, sondern dient auch der Sichtung und dem Erhalt typischer Rasseeigenschaften. Zudem fördert sie eine jagdethische Ausbildung und hilft, das Leistungsniveau jagdlich geführter Retriever außerhalb der Jagdzeiten auch ohne Verwendung von Wild zu erhalten.
Das Prüfungswesen des DRC e.V. umfasst drei Prüfungsformen: Arbeitsprüfungen mit Dummys (APD/R), Working Tests (WT) und Mock Trials (MT). Die jeweiligen Prüfungsordnungen sind im Download Center einsehbar.
Bei den Arbeitsprüfungen mit Dummys (APD/R) des DRC e.V. sind die Aufgaben aller drei Leistungsklassen - Anfänger-, Fortgeschrittenen- und Offene Klasse - genau festgelegt. Die Arbeitsentfernungen entsprechen den Anforderungen der jeweiligen Klasse unter Berücksichtigung der Gelände- und den Witterungsbedingungen.
Jede Aufgabe wird mit bis zu 20 Punkten bewertet. Die Gesamtpunktzahl wird am Ende der Prüfung den Prädikaten „vorzüglich“, „sehr gut“, „gut“ und „bestanden“ bzw. „nicht bestanden“ zugeordnet. Mit dem Bestehen einer APD/R beweist das Gespann, dass es die Mindestanforderungen der jeweiligen Klasse beherrscht.
Working Tests werden in drei Leistungsklassen – Anfänger-, Fortgeschrittenen- und Offene Klasse – sowohl als Einzel- als auch als Teamwettbewerbe (meist mit drei Gespannen) durchgeführt. Dabei werden idealerweise an die Niederwildjagd angelehnte Einzelsituationen nachgestellt.
Im Gegensatz zur APD/R sind die Aufgaben nicht starr in einer Prüfungsordnung vorgegeben, sondern werden von den Richtern vor Beginn individuell erarbeitet. Sie setzen sich aus den typischen Arbeitselementen eines Retrievers zusammen und lassen sich frei gestalten und kombinieren.
Der Schwierigkeitsgrad der drei Klassen orientiert sich an den Anforderungen der jeweiligen Klasse der APD/R. Besonders in der Fortgeschrittenen- und Offenen Klasse können die Aufgaben durch höhere Anforderungen an die Standruhe, größere Distanzen, anspruchsvollere Gelände- und Bewuchsgegebenheiten, sowie durch Verleitungen erschwert werden.
Einen Sonderstatus genießen Working Tests der Schnupper- und Veteranenklasse:
Was nehme ich mit, wenn ich zu einem Working Test gehe?
Zur Minimalausrüstung für eine Working-Test-Teilnahme gehören: eine Pfeife mit Pfeifenband, eine 8mm Moxon-Leine mit Stopp, eine Dummy-Tasche oder -Weste, Wasser für deinen Hund, eine Sitzgelegenheit und – falls nötig - ein Trockentuch.
Was erwartet mich in den Aufgaben der Anfängerklasse?
In der Anfängerklasse werden die Grundlagen (engl. basics) geprüft: Standruhe, Fußarbeit, Gehorsam, sicheres Apportieren, Markier- und Merkfähigkeit sowie das engräumige Suchen.
Standruhe
Erwartet wird, dass der Hund bis zur Freigabe durch den Richter ruhig und konzentriert wartet und während des Wartens und Fußlaufens moderater Ablenkungen gelassen toleriert.
Fußarbeit
Das korrekte Fußlaufen ist bereits in der Anfängerklasse von zentraler Bedeutung, da es die Basis für die weiterführende Ausbildung im Dummy-Bereich bildet. Der Hund soll - ohne weitere Aufmerksamkeit einzufordern - ruhig und eng am Bein folgen, sich der Geschwindigkeit anpassen und Richtungswechsel selbstständig mitvollziehen.
Markier- und Merkfähigkeit
Da Markieren und Merken zu den besonderen Fähigkeiten des Retrievers zählen, wird ihnen auch auf Prüfungen auch besonderes Gewicht beigemessen. Das Markieren umfasst sowohl das Verfolgen der Flugbahn eines geworfenen Dummys, als auch das Merken der Fallstelle und das Einschätzen der Distanz.
In der Anfängerklasse werden meist Einzelmarkierungen geprüft, vereinzelt auch einfache Doppelmarkierungen im großen Winkel. Häufig kommen auch einfache Kombinationen aus Marks und Memorys zum Einsatz: Dabei muss der Hund Markierungen zeitverzögert oder von einem anderen Standort aus arbeiten. Dies verlangt ihm eine gewisse Gedächtnisleistung ab.
Kleine Suche
Hier wird erwartet, dass der Hund einen begrenzten Bereich intensiv mit tiefer Nase und in moderatem Tempo absucht. Er soll selbständig arbeiten und den Bereich halten, zugleich aber ansprechbar bleiben.
Da in der Anfängerklasse noch kein Einweisen verlangt wird, wird die kleine Suche meist geprüft, indem der Hund in einen Bereich geschickt wird, in dem er zuvor bereits erfolgreich eine Markierung gearbeitet hat.
Was wird bewertet?
Idealbild ist ein nervenfester, schnell und effizient arbeitender Retriever, der sicher in die Hand apportiert, jedes Gelände annimmt und bereitwillig, aber nicht übermäßig abhängig mit seinem Menschen zusammenarbeitet.
Positiv bewertet werden:
Standruhe, gutes Markieren, Arbeitsfreude und Initiative, schnelles Apportieren mit sauberer Abgabe, Gehorsam und Führigkeit, ein schöner Arbeitsstil, gute Nasenarbeit sowie ruhiges und effizientes Führen.
Schwere Fehler führen zu einem erheblichen Punktabzug, wie zum Beispiel:
Unruhiges Verhalten, schlechtes Markieren oder Merken, mangelnde Kontrolle, schlechte Fußarbeit, nachlässiges Apportieren, übermäßige Abhängigkeit vom Hundeführer, langsames Arbeiten oder mit wenig Initiative, zu lautes oder unangemessenes Handling.
Bei Fehlern, die zu einer Null führen:
Das Gespann kann die restlichen Aufgaben beenden, fällt aber aus der Gesamtwertung. Dazu zählen: Tauschen, Weitersuchen mit Dummy im Fang, Verweigern der Wasserannahme, Verweigern des Apportierens oder Nichtfinden eines Dummys, Schuss-scheue, Außer Kontrolle-Geraten, Einspringen, Winseln oder Bellen.
Fehler, die zum sofortigen Ausschlussführen:
Aggressives Verhalten gegenüber Artgenossen oder Personen, sowie physisches Einwirken auf den Hund.
Bewertung und Prädikate:
Pro Aufgabe werden maximal 20 Punkte vergeben. Die Gesamtpunktzahl entscheidet über die Prädikate „vorzüglich“ (v), „sehr gut“ (sg), „gut“ (g) und „bestanden“ (best.). Wird eine Aufgabe mit einer Null bewertet, wird der Hund in der Gesamtbewertung mit „nicht bestanden“ (n.b.) klassiert.
Kleiner Working Test Knigge
DO‘s | DON‘Ts |
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- Belohnungs-Ball beim Verlassen der Aufgabe? Denke an Fairness gegenüber dem nachfolgenden Starter! |
Einige Working Tests des DRC - wie die Newcomer Trophy, der German Cup oder das Working Test Finale, haben sich längst als jährliche Highlights über die Grenzen Deutschlands hinaus etabliert.
DRC Newcomer Trophy (NCT)
Die NCT ist ein eintägiger Working Test für Retriever bis zu einem Alter von 30 Monaten. Voraussetzung für die Teilnahme sind die Mitgliedschaft im DRC sowie ein bestandener DRC-Working Test in der Anfängerklasse mit dem Prädikat „sehr gut“.
DRC German Cup (GC)
Der GC ist, die vom DRC durchgeführte, offizielle deutsche Arbeitsmeisterschaft mit Dummys. Ziel ist es, die besten Teams des Jahres zu ermitteln, die sich damit für den FCI International Working Test (IWT) qualifizieren. Es handelt sich um einen zweitägigen Teamwettbewerb, bei dem jedes Team aus drei Hund-Hundeführer-Gespannen besteht.
Teilnehmen dürfen alle Mitglieder des Deutschen Retriever Clubs e.V. (DRC), des Labrador Clubs Deutschland e.V. (LCD) und des Golden Retriever Clubs e.V. (GRC) offen. Zugelassen sind Hunde, die einen Working Test des DRC in der Offenen Klasse oder eine in den offiziellen GC-Statuten aufgeführte Prüfung mit mindestens dem Prädikat „sehr gut“ bestanden haben.
DRC Working Test Finale
Das Finale des DRC bildet den jährlichen Abschluss der Working-Test-Saison. Es handelt sich um einen zweitägigen Einzelwettbewerb, der in allen drei Klassen ausgetragen wird. Qualifiziert sind alle Hunde, die in der vorangegangenen Saison bei einem Working Test des DRC in der entsprechenden Klasse einen 1. bis 3. Platz mit mindestens der Qualifikation „sehr gut“ belegt oder bei einem Mock-Trial des DRC einen der ersten drei Plätze mit der Qualifikation „vorzüglich“ erreicht haben. Auch die Gewinner des Vorjahres sind qualifiziert.
FCI International Working Test (IWT)
Der FCI International Working Test existiert seit 1991 und hat sich zum Höhepunkt der kontinental-europäischen Retriever-Arbeit auf höchstem Niveau entwickelt. Jährlich von einem anderen europäischen FCI-Mitgliedsland veranstaltet, gilt er heute als offizielle Retriever-Europameisterschaft mit Dummys.
Es handelt sich um einen zweitägigen Teamwettbewerb, bei dem jedes FCI-Mitgliedsland drei offizielle nationale Teams entsenden kann. Freie Startplätze werden unter sogenannten freien nationalen Teams verlost.
Die ersten drei platzierten Teams des German Cups, deren Teammitglieder alle die deutsche Nationalität haben, qualifizieren sich als offizielle deutsche Nationalteams. Verzichtet eines dieser Teams auf den Start, rückt das nächstplatzierte Team des German Cups nach.
Bei einem Mock Trial wird die jagdliche Situation während eines Field Trials mithilfe von Dummys möglichst authentisch nachempfunden. Im Gegensatz zu Working Tests werden nicht nur Einzelsituationen, sondern der gesamt Ablauf einer Niederwildjagd nach englischem Vorbild simuliert. Obwohl ausschließlich mit Dummys gearbeitet wird, entsprechen alle anderen Rahmenbedingungen dem Internationalen Reglement für Field Trials für Retriever der FCI. Daher können Mock Trials sowohl als Standtreiben (engl. drive) als auch als Streifjagd (engl. walk Up) abgehalten werden. Da in beiden Varianten ein typischer Jagdablauf nachgestellt wird, gleicht keine Situation der anderen und jeder Retrieve findet unter anderen Voraussetzungen statt.
Mock Trials werden in zwei Klassen veranstaltet: Novice und Open. In der Novice sind die Arbeitsentfernungen in der Regel kürzer und die Anforderungen weniger komplex.
Sie möchten mit Ihrem Retriever an einer Dummyprüfung oder einem Working-Test teilnehmen oder Sie sind auf der Suche nach einer Veranstaltung im Bereich des Leistungswesens, bei der Sie sich durch persönliche Anschauung darüber informieren können, wie eine solche Prüfung in der Praxis abläuft und welche Fähigkeiten Ihr Hund mitbringen sollte, um selbst teilnehmen zu können?
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